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Deutschlandticket Sozial: Mobilität in Niedersachsen als Wohnort-Lotterie

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Paritätischer präsentiert neue Studie und fordert landesweit einheitliches „Deutschlandticket Sozial“ für 25 Euro.

„Wer Glück hat, wohnt in der Region Hannover oder im Landkreis Diepholz und kann als Sozialleistungsempfangende*r für 30,40 Euro oder 38 Euro ein ermäßigtes Deutschlandticket erwerben. Alle anderen haben Pech gehabt“, sagt Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. In einer heute veröffentlichten Studie des Paritätischen wird erstmals deutlich, dass der Zugang zu vergünstigten Deutschlandtickets stark vom Wohnort abhängt – nur zwei von insgesamt 45 niedersächsischen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten bieten es an.

Der Verband fordert daher die Einführung eines bundesweit einheitlichen „Deutschlandticket Sozial“ für 25 Euro im Monat. Dieses soll für alle Sozialleistungsempfangenden gelten, also Beziehende von Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

„Das 9-Euro-Ticket aus dem Sommer 2022 machte deutlich, wie groß der Bedarf an bezahlbarer Mobilität ist. Besonders für Menschen mit geringen Einkommen bedeutete es eine erhebliche Entlastung“, so die Vorsitzende. Mit der Einführung des Deutschlandtickets für zunächst 49 und mittlerweile 58 Euro pro Monat stehen jedoch viele Menschen vor enormen finanziellen Hürden. Menschen mit niedrigen Einkommen und Armutsbetroffene können sich das Ticket oft nicht leisten – dabei sind es gerade diese Bevölkerungsteile, die auf den ÖPNV für ihre soziale Teilhabe angewiesen sind. Das Ziel eines „Deutschlandtickets für alle“ bleibt damit unerfüllt.

„In Niedersachsen fehlen Sozialtarife für das Deutschlandticket bis auf zwei Ausnahmen komplett. Es existiert ein undurchsichtiger Flickenteppich der verschiedenen Verkehrsverbundgebiete mit ausschließlich regional nutzbaren Sozialtickets, die allerdings im Nachbarlandkreis schon nicht mehr gültig sind. Diese Situation verschärft soziale Ungleichheiten“, warnt Tack. „Wir brauchen ein einheitliches Deutschlandticket Sozial, das in ganz Deutschland für den Regionalverkehr gültig ist und diese unwürdige und ungerechte Wohnort-Lotterie beendet.“

Die Finanzierung eines Deutschlandticket Sozial wäre durch Umschichtungen innerhalb des bundesweiten Verkehrsbudgets leicht möglich: Allein 2020 flossen 25 Milliarden Euro in klimaschädliche Subventionen im Verkehrssektor. Ein bundesweites Sozialticket würde weniger als 1,5 Prozent dieser Summe erfordern. Auch der europäische Klima- und Sozialfonds für Wärme und Verkehr könnte für eine Übergangsfinanzierung genutzt werden.

Die Studie des Paritätischen Gesamtverbandes „Sozialticket-Atlas für Deutschland. Wo der Staat den Öffentlichen Nahverkehr für einkommensarme Menschen bezuschusst“ von Christoph Aberle, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Technische Universität Hamburg, inklusive interaktiver Karten kann hier heruntergeladen werden: https://www.der-paritaetische.de/sozialticket